Großes Interesse der Dörfler an der Infoveranstaltung „Unser Dorf hat Zukunft“

Der Kreis Lippe hat die Bürgerinnen und Bürger aus den lippischen Dörfern zu einer gemeinsamen Informationsveranstaltung nach Dörentrup-Wendlinghausen in das Innovationszentrum eingeladen. Diese sind zu dem Themenblock Fragen und Antworten zahlreich aus ganz Lippe angereist, um den Wettbewerb mit seinen Aufgaben und Zielen zu hinterfragen. Durch das Organisationsteam des Wettbewerbs wurden den Anwesenden durch Dorfgedanken verschiedene Definitionen des Begriffs Dorf dargestellt und erläutert, was es für jeden Einzelnen bedeutet bzw. bedeuten kann. Anhand eines Kurzfilms wurde dargestellt, wie heute junge sowie ältere Familien zurück in ihr Dorf ziehen und welche Gründe sie dazu bewegt haben. Die anschließende Diskussion über die Möglichkeiten und Chancen des Wettbewerbs und seiner Auswirkungen auf die Dörfer und seiner Bewohnerinnen wurde rege geführt. Tipps und Ratschläge für eine gute Präsentation des Dorfes bei der Bereisung und der Austausch von Erfahrungen der einzelnen Dörfer im Wettbewerb wurden untereinander weitergegeben. Unterstützt von einem Präsentationsbeispiel aus Sachsen konnten viele Anregungen für das eigene Dorf mitgenommen werden. Zum Abschluss der Veranstaltung wies das Organisationsteam auf die am 27.03.2020 in Blomberg-Großenmarpe stattfindende Auftaktveranstaltung und die am 08.06.2020 beginnende Bereisung der Dörfer hin.

 

Fazit nach drei Jahren Smart Country Side

(von links) Ann-Kathrin Habighorst (SCS-Projektleiterin, Kreis Lippe), Felix Leo Matzke (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Dortmund), Dr. Agnes Kriszan (Technische Hochschule OWL), Steffen Hess (Fraunhofer IESE), Heidrun Wuttke (SCS-Projektmanagerin, Kreis Höxter), Tatjana Disse (GfW Höxter), Bürgermeister Jörg Bierwirth, Landrat Dr. Axel Lehmann, Dr. Ariane Sept (Leibniz-Institut), Hans-Werner Gorzolka (Ovenhausen), Landrat Friedhelm Spieker und Heino Rinne (Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Rott-Hagendorf-Nösingfeld)

Das Dorf hat Zukunft und das hat viele Gründe, denn dörflicher Zusammenhalt und eine starke Kultur, sich zu engagieren, sorgen für ein soziales Miteinander. Gleichwohl stehen ländliche Räume wie die Kreise Lippe und Höxter vor besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen, um ihre Zukunft zu sichern. Die Digitalisierung bietet hierbei große Chancen, strukturelle Defizite auszugleichen und die Lebensqualität gerade in Dörfern zu erhöhen.

Genau hier hat vor drei Jahren das Projekt Smart Country Side (SCS) angesetzt. Bedarfsgerechte und nutzerfreundliche Lösungen waren gefragt, bei deren Ausarbeitung und Anwendung die Bürger vor Ort frühzeitig eingebunden waren. Dass dies gelungen ist, zeigten die Verantwortlichen in einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung am 16. Oktober in Brakelsiek.

„Wir haben es geschafft, mit dem Projekt gezielt neue Impulse in den Kreisen zu setzen und sind stolz auf die Ergebnisse, die wir gemeinsam mit den Ehrenamtlichen erreicht haben“, berichtete der Landrat des Kreises Lippe, Dr. Axel Lehmann in seinem Grußwort. „Durch ’Smart Country Side‘ ist es uns gelungen deutschlandweit als Vorreiter vorwegzugehen“.
Nicht nur für die 25 beteiligten Ortschaften ist das Projekt ein Gewinn: „Durch die modellhafte Entwicklung von Lösungen kann deutschlandweit der ländliche Raum von den Ergebnissen profitieren“, freute sich auch der Landrat des Kreises Höxter, Friedhelm Spieker über den Erfolg des Leuchtturmprojektes. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen wurden in der Abschlussveranstaltung öffentlich präsentiert.

Dass gerade Digitalisierung und soziale Innovationen dabei helfen können, ländlich geprägte Räume lebenswert und zukunftsfähig zu gestalten, zeigte auch Dr. Ariane Sept vom Leibniz-Institut für raumbezogene Sozialforschung (IRS) in ihrem Vortag auf. Die Projektergebnisse von Smart Country Side konkretisieren diesen Ansatz. So wurden in allen Modelldörfern erfolgreich der „DorfFunk“ und die Dorf- beziehungsweise Gemeindewebseiten eingeführt. Dabei soll die DorfFunk-App die dörfliche Gemeinschaft unterstützen und helfen die die Kommunikation im Dorf zu fördern.

Im Projekt Smart Country Side wurde viel erreicht

Mittels bedarfsgerechter Medienausstattungen, beispielweise Smart Panel, Laptop, Beamer oder Tablets, wurde die technische Grundlage für weitere Umsetzungsprojekte im Kreis Lippe gelegt. Damit beispielsweise der lippische Modellort Bega in der Jugendarbeit neue Wege gehen kann, wurde eine Drohne angeschafft. Jugendliche sollen sich durch gemeinsames Engagement und Freude an der Technik wieder für das Dorfleben begeistern und engagieren. Generationsübergreifend folgen nun spannende Videos aus der Vogelperspektive.

In Lipperreihe ist es möglich, sich im AWO Begegnungszentrum „Strate Haus“ in Sachen digitaler Kompetenz weiterzubilden. Die Bürgerschaft hat dafür in Eigeninitiative ein Weiterbildungskonzept getreu dem Motto „Dialog trifft Digital ganz lokal“ entwickelt. Dabei findet die Kombination aus analogem Austausch in einer Gruppe und dem gemeinsamen digitalen Lernen hohen Anklang bei den Teilnehmern. Daraufhin wurde neben dieser Gruppenarbeit bereits mit dem „App-Café“ ein weiteres regelmäßiges Format entwickelt, bei dem der generationsübergreifende Austausch im Vordergrund steht.

Im Kreis Höxter wurden zusätzlich zur Einführung von DorfPages und DorfFunk weitere neun digitale Anwendungen von sehr engagierten Bürgern aus 16 SCS-Modellorten entwickelt und erprobt. Dazu zählen beispielsweise der innovative „digitale Dorf-Hilferuf“, der Nachbarschaftshilfe auch digital ermöglicht, oder die Plattform „Kirche digital“, die Pfarrbriefen, 360 Grad Kirchenansichten und Tageslosungen sowie Gruppen-Chats von Messdienern und Firmlingen ermöglicht.

Zu neuen Anwendungen im Kreis Höxter gehört auch eine „Immobilien-Plattform“, die Neubürger im Dorf über die Online-Bereitstellung von hilfreichen Tipps zu ortsansässigen Handwerkern und möglichen Fördermitteln sowie über themenbezogenen Gruppen-Chats in der Bauphase digital begleitet und so schnell in das Dorfgeschehen integriert. Weitere Umsetzungsprojekte in Kooperation mit der Caritas Deutschland ist beispielsweise die Plattform „Das Sorgende Dorf“, mit der bestehende analoge Hilfsangebote für Menschen digital ergänzt werden und die „Smarte Bürgerhalle“, die es drei Dörfern ermöglicht, Licht, Heizung, Jalousien, Medien und Verbräuche digital zu steuern und so Kosten zu sparen.

Zudem wurden im Kreis Höxter 18 Monate lang 140 Dorf-Digital-Experten ausgebildet und in den betreffenden 16 SCS-Modellorten digitale Klassenzimmer eingerichtet, in denen nun selbst organisiert gut nachgefragte Kurse für die Dorfgemeinschaften stattfinden. Dieses Umsetzungsprojekt wurde im Dezember 2018 mit dem Innovationspreis des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung ausgezeichnet.

Bei der Anschlussveranstaltung kamen alle Akteure zusammen

Dr. Agnes Kriszan vom Zukunftszentrum Holzminden-Höxter stellte die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluierung vor und erläuterte die acht formulierten Empfehlungen, die andere ländliche Regionen als Leitfaden für ihren eigenen Digitalisierungsprozess nutzen können. Diese und alle weiteren Erfahrungen sind in der Abschlussbroschüre „Projektergebnisse und Handlungsleitfaden“ aufgegriffen worden.
Felix Matzke vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung ergänzte die wissenschaftliche Betrachtung des Projektprozesses von Smart Country Side um einen europäischen Vergleich und stellte die Ergebnisse der internationalen RELOCAL-Studie vor.

Über die Aspekte der unterschiedlichen Programmpunkte tauschten sich Vertreter aus Modelldörfern, Politik, Verwaltung und Kooperationspartnern in kurzen Podiumsdiskussionen aus und reflektierten somit die Relevanz vom Smart Country Side.

 

Anregende Diskussion verdeutlicht die Relevanz von SCS: (von links) Steffen Hess (Fraunhofer-Institut IESE), Heino Rinne (Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Rott-Hagendorf-Nösingfeld), Borris Ortmeier (LEADER Nordlippe) und Hans-Werner Gorzolka (Ovenhausen).

„Wir sind stolz, dass wir nun anderen Kreisen und Regionen einen Einblick in unsere Erfahrungen geben können“, so Landrat Friedhelm Spieker, der die Veranstaltung beendete. „In beiden Kreisen ist es uns gelungen, die Projektidee in einen langfristigen Prozess zu überführen und somit die Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Dies ist ein Erfolg für alle Beteiligten“.

„Wir sind stolz, dass wir nun anderen Kreisen und Regionen einen Einblick in unsere Erfahrungen geben können“, zug Landrat Fridhelm Spieker am Ende der Veranstaltung ein positives Fazit. „In beiden Kreisen ist es uns gelungen, die Projektidee in einen langfristigen Prozess zu überführen und somit die Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Dies ist ein Erfolg für alle Beteiligten“.

Beide Landräte dankten abschließend den Fördermittelgebern für die Stärkung des ländlichen Raums durch dieses Vorzeigeprojekt. Smart Country Side ist ein mit Mitteln aus dem „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) gefördertes Kooperationsprojekt der Kreise Lippe und Höxter und eines von zehn Projekten des Handlungskonzeptes „OWL 4.0“.

SCS Abschlussbroschüre als Download verfügbar

Die Abschlussbroschüre fasst nach drei Jahren Smart Country Side den Projektprozess zusammen, gibt eine Übersicht über die umgesetzten Maßnahmen und stellt einen Handlungsleitfaden zur Verfügung, der die gewonnenen Erkenntnisse aufzeigt.

Unter folgenden Link können Sie die Abschlussbroschüre herunterladen.

Spatenstich am Innovationszentrum: Erste POWER-TO-GAS-Testanlage in OWL

Kooperationsprojekt mit der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe Aufstellung und Betrieb einer Pilot-Methanisierungsanlage am Innovationszentrum in Dörentrup.

Wissenschaftler der Technischen Hochschule OWL wollen mit einer Pilotanlage erforschen, wie sich Solar- und Windstrom in Erdgas umwandeln lassen, um erneuerbare Energien zu speichern oder E-Fuels bereitzustellen. Dafür wurde nun der Container am Innovationszentrum in Dörentrup aufgestellt, der die Anlage beherbergen wird. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2019 geplant.

Hintergrund:

Mit Windrädern und Sonnenkollektoren alleine lässt sich die Energiewende nicht umsetzen – Fortschritte benötigt die Wissenschaft vor allem bei der Speicherung der Energie: „Schon heute müssen beispielsweise Windräder häufig abgeschaltet werden, weil die Stromnetze überlastet sind. Dadurch und durch Drosselungen in konventionellen Kraftwerken entstehen Ausfallzahlungen, die die Kosten bei der Stromerzeugung in die Höhe treiben“, erklärt Timo Broeker, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Technischen Hochschule Ostwestfalen- Lippe. Er und seine Kollegen arbeiten im Forschungsprojekt „bioCO2nvert“ daran, die Energiewende zu unterstützen.

Die Idee: Strom aus Wind- und Sonnenenergie wird per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt. Dieser wird mit Hilfe von Kohlenstoffdioxid in Erdgas überführt. Dies kann mit bestehender Infrastruktur leicht gespeichert und transportiert werden, um beispielsweise bedarfsgerecht Strom und Wärme bereitzustellen oder klimaneutral zu tanken.

Geleitet wird das Projekt „Implementierung eines bedarfsgerechten Power-to-Gas-Konzeptes in CO2-emittierende Fermentationsanlagen“ – kurz „bioCO2nvert“ – von Professor Jan Schneider vom Institut für Lebensmitteltechnologie.NRW (ILT.NRW) und Professor Klaus Heikrodt vom Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik. Das Forschungsvorhaben wird mit insgesamt etwa 800.000 € finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Förderlinie FHprofUnt, sowie der Südzucker AG, der MicrobEnergy GmbH, der PRG-GmbH und der Klärgastechnik Deutschland GmbH.

Neue Broschüre vom Innovationszentrum

Die Zukunft beginnt auf dem Land! In Lippe steht das Innovationszentrum des Kreises Lippe in Dörentrup für einen motivierenden Ort, der die Entwicklung des ländlichen Raums positiv begleitet. Als Land Lab können hier sowohl soziale als auch technische Neuheiten in einem realen Umfeld entwickelt und getestet werden.

Wir wollen die Entwicklung des ländlichen Raums mit voller Kraft vorantreiben, dabei unsere Dörfer stärken und entlang der Innovationsstrategie in Dörentrup entsprechende Innovationen begleiten und in der Praxis erproben. Wichtig ist uns dabei, ganz nah an den Bedarfen der Bürgerinnen und Bürger zu sein.

Mit Smart Country Side entwickeln wir zum Beispiel digitale Anwendungen, die die Vernetzung in den Dörfern vorantreiben werden. Mit dem REBIRTH-Programm unterstützen wir Schulen in Lippe dabei, Bewegungseinheiten in den Unterricht zu integrieren, um u.a. die Konzentrationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler zu steigern. Mit unserem Dorfcoach geben wir lippischen Dörfern einen Ansprechpartner an die Hand, der sie in Fragen zur Zukunftsfähigkeit berät.

Diese Impulse – und sehr viele mehr – gehen vom Innovationszentrum Dörentrup aus. Dort sind auch das LEADER-Management und das Projekt NaTourEnergie angesiedelt, die sich ebenfalls der Aufgabe verschrieben haben, die enormen Potenziale, die im ländlichen Raum stecken, weiter zu entwickeln.

Diese Broschüre gibt Ihnen hierzu weitere Einblicke in unsere Arbeit und unsere Ziele. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Landrat Dr. Axel Lehmann

Innovation Raum schaffen_int